Jugend am Werk Steiermark GmbH
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Ausgangspunkt für ein stabiles Leben

Ausgangspunkt für ein stabiles Leben

Krisenunterbringung, Wohnschule, Housing First – mit den vielfältigen Projekten von Jugend am Werk ein neues Zuhause finden.

Zimmer, Küche, Bad – gemessen in Quadratmetern und an der Anzahl der Zimmer ist eine Wohnung nicht viel mehr als das. Tatsächlich stellt eine Wohnung jedoch viel mehr dar: Sie bildet den zentralen Mittelpunkt eines Menschen, von wo aus sich sein soziales wie berufliches Leben gestaltet. Ohne Wohnung zu sein oder sich in einer prekären Wohnsituation zu befinden, beispielsweise mit einer/einem gewalttätigen Partner*in, in instabilen Familienverhältnissen oder mit außergewöhnlichen finanziellen Belastungen, bringt in gewisser Weise auch den Verlust des eigenen Mittelpunkts, um den sich das Leben dreht, mit sich. Eine (eigene) Wohnung ist also von entscheidender Bedeutung für unser Leben: Sie erfüllt nicht nur grundlegende Bedürfnisse wie Schutz und Sicherheit, sondern bietet auch einen Raum für persönliches Wachstum, soziale Interaktion und Stabilität.

Ich im Mittelpunkt

Jugend am Werk bietet im Bereich Wohnen vielfältige Dienstleistungen sowie auf individuelle Bedürfnisse angepasste Konzepte. In der Begleitung von Menschen mit Behinderung spielt dabei die fortschreitende De-Institutionalisierung, also mitunter die Auflösung von Wohnheimen, eine große Rolle. Neben Angeboten zu voll- und teilzeitbetreuten Wohnformen richtet sich die Wohnschule von Jugend am Werk an Menschen mit Behinderung, die das 18. Lebensjahr vollendet haben und zu Hause bei den Eltern oder in einer stationär betreuten Wohnform leben. „Innerhalb von acht Monaten können sie andere Wohnformen kennenlernen und ein selbstständiges Wohnen ausprobieren – um ein selbstbestimmtes und eigenverantwortliches Leben mit einer individuell angepassten Unterstützung zu führen“, so Manfred Öttl, Geschäftsbereichsleiter Wohnen und mobile Angebote für Menschen mit Behinderung von Jugend am Werk. „Wir begleiten Menschen mit Behinderung dabei, ihre Fähigkeiten zur eigenständigen und unabhängigen Lebensführung zu entwickeln und zu fördern.“

Zuhause auf Zeit

Unterstützung von Jugend am Werk erhalten auch Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 18 Jahren, die aufgrund familiärer Krisensituationen eine sofortige „Rundum-die-Uhr-Unterbringung“ benötigen. Ziel ist die Abwendung einer akuten Kindeswohlgefährdung. Im Vordergrund der Betreuung stehen daher Beziehungsaufbau, Versorgung sowie Stabilisierung und Beruhigung des Herkunftssystems. „Das 4Raum-Haus am Mälzerweg in Graz ist für die Kinder und Jugendlichen ein sicherer Hafen in stürmischen Zeiten“, sagt Helene Grasser, Geschäftsbereichsleiterin Kinder, Jugend und Familie bei Jugend am Werk. In dem gemütlich eingerichteten Haus mit Garten können bis zu acht Kinder und Jugendliche zeitlich begrenzt untergebracht werden. Wichtig ist eine aktivierende und gezielte Förderung mit Blick auf die Stärken der Kinder, Jugendlichen und deren Familien, um nachhaltige Perspektiven zu schaffen.

Der erste Schritt führt nach Hause

Während manche Menschen Unterstützung bei der Wahl der geeigneten Wohnform benötigen oder Kinder und Jugendliche in einer Krise dringend einen Schlafplatz sowie die notwendige Betreuung brauchen, so stehen manch andere plötzlich ganz ohne Wohnung da. „Ich hätte niemals gedacht, dass mir das passieren könnte“, sagt Viviane N. Sie ist eine der Frauen, die durch das Projekt Housing First eine eigene Wohnung gefunden haben und somit wieder mit beiden Beinen in ihrem Leben stehen können. Seit nunmehr zehn Jahren begleitet Jugend am Werk Frauen, die entweder wohnungslos geworden sind oder sich in einem prekären Wohnverhältnis befinden. Als Viviane N. sich von ihrem Partner getrennt und die gemeinsame Wohnung verlassen hat, konnte sie anfangs noch bei Freundinnen übernachten. Doch das war auch nur für einen begrenzten Zeitraum möglich, wie sie erzählt: „Ein paar Nächte habe ich auf einer Parkbank verbracht.“ Mit der Unterstützung von Housing First gelang es schließlich, eine Wohnung zu finden, die ihren Bedürfnissen und – ganz wichtig – ihren finanziellen Möglichkeiten entsprach.

Lass die Sonne rein

„Sie ist hell, ruhig und hat sogar einen kleinen Balkon“, beschreibt Viviane N. ihre neu bezogene Wohnung. „Alles, was ich brauche, habe ich nun bei mir.“ Seitdem sie den Schlüssel zu ihrer eigenen Wohnung in Händen hält, hat sich „alles verändert. Ich fühle mich geerdet und verwurzelt, das gibt mir Sicherheit.“ Andrea Guegan-Knafl, Teamleiterin von Housing First in Graz, erlebt, wie sich das Leben der Teilnehmerinnen mit dem Bezug ihrer eigenen Wohnung ins Positive wendet. „Die Wohnung ist der zentrale Ausgangspunkt für ein stabiles Leben“, so Guegan-Knafl. Housing First bietet den Frauen Unterstützung bei der Wohnungssuche sowie beim Einzug ins neue Zuhause. „Darüber hinaus begleiten wir die Teilnehmerinnen auch bei Fragen rund um Arbeit, Gesundheit, Finanzen, Freizeitgestaltung oder Beziehungen.“

Housing First

Der Ansatz von Housing First richtet sich nach dem Prinzip „Zuerst eine Wohnung, dann alles andere“, erklärt Guegan-Knafl. „Housing First stellt keine Wohnungen zur Verfügung.“ Statt wohnungslose Menschen in Notschlafstellen, Wohnheimen oder Übergangslösungen unterzubringen, erhalten sie bei Housing First gezielte Beratung und Unterstützung bei der Suche nach einer geeigneten und vor allem leistbaren Wohnung. Jugend am Werk hat sich auf die Begleitung wohnungsloser Frauen spezialisiert. Was vor zehn Jahren im Raum Graz und Graz-Umgebung als Projekt begann, konnte nun auf die gesamte Steiermark ausgeweitet werden. Eine erste Anlaufstelle bietet das Frauencafé am Jugend am Werk-Standort Lauzilgasse 25 in Graz. Dort bieten sich jeden letzten Mittwochnachmittag im Monat Zeit und Möglichkeit für Austausch, Infos und Gespräche in gemütlicher Atmosphäre mit Mitarbeiterinnen und (ehemaligen) Nutzerinnen von Housing First. „Wohnungslosigkeit ist oft sehr schambehaftet“, sagt Guegan-Knafl, darum seien niederschwellige Angebote wie dieses besonders wichtig. Zum Einzug in ihre neue Wohnung erhalten die Frauen von Jugend am Werk einen vollständig bestückten Werkzeugkoffer – um sich eigenständig und selbstbestimmt ihre eigene Zukunft zu bauen.

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