Jugend am Werk Steiermark GmbH
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Ein Schritt nach dem anderen und zwei Schritte voraus

Ein Schritt nach dem anderen und zwei Schritte voraus

Arbeiten an Inklusion – inArbeit ermöglicht Menschen mit Behinderung echte Dienstverträge mit echtem Gehalt.

Wer die Werkshallen der voestalpine Böhler Welding in Kapfenberg betritt, muss eine Schutzbrille aufsetzen. Hier werden Stabelektroden gefertigt, verpackt und für den Versand in die ganze Welt vorbereitet – und dabei soll schließlich nichts ins Auge gehen. Im Schweißverfahren lassen sich mit den rund 30 Zentimeter langen Stäben Metallteile dauerhaft verbinden. Die Stabelektroden dürfen für ein optimales Ergebnis keine Risse oder Brüche aufweisen. Um das zu kontrollieren, ist das eigens geschulte Team von inArbeit zuständig. inArbeit ermöglicht echte Dienstverhältnisse für Menschen mit Behinderung in Unternehmen. Eine kollektivvertragliche Entlohnung, Urlaubsanspruch und Vollversicherung sind dabei selbstverständlich.

Echtes Gehalt statt Taschengeld

Zuerst im Auftrag des Landes Steiermark als Pilotprojekt im Großraum Graz gegründet, bietet inArbeit nun als Sonderleistung steiermarkweit insgesamt 25 Arbeitsplätze an. Das Besondere daran: echte Arbeitsplätze und richtiges Gehalt statt Taschengeld! In den Werkshallen der voestalpine Böhler Welding sind drei Mitarbeiter*innen im Rahmen von inArbeit beschäftigt: Manuela M., Patrick W. und Sabine H. Norik R., der aufgrund seiner Gehörlosigkeit derzeit noch auf umfassendere Unterstützung angewiesen ist, kann dank einer Kooperationsvereinbarung mit Jugend am Werk teilhaben. Klaus Rantschl, Fachtrainer aus dem Bereich Arbeit und Beschäftigung bei Jugend am Werk, begleitet die vier Kund*innen, damit diese ihre Arbeit so selbstständig wie möglich ausführen können. „Wir überprüfen genau, welche Tätigkeiten für unsere Kund*innen passend sind und tasten uns Schritt für Schritt heran“, sagt Klaus Rantschl. „Anfangs ist die Arbeit natürlich anstrengend und eine Herausforderung, doch mit der Zeit werden die Kund*innen immer sicherer.“ Vor allem trägt auch das positive Arbeitsklima im Unternehmen zu einer guten Entwicklung bei.

Mitarbeiter*innen wie andere auch

„Die vier Kolleginnen und Kollegen sind mittlerweile ein wichtiger Teil des gesamten Teams“, sagt Christoph Zündel, Fertigungsleiter bei voestalpine Böhler Welding. „Sie sind – mit Ausnahme von Norik – wie alle anderen Mitarbeiter*innen direkt im Unternehmen angestellt.“ Einziger Unterschied: Betriebe erhalten durch inArbeit eine Förderung und die Kund*innen ein Sicherheitsnetz. „Im Falle einer Kündigung können sie wieder in eine alternative Leistung von Jugend am Werk zurück“, so Fachtrainer Klaus Rantschl. Der Jugend am Werk-Standort in Kapfenberg begleitet Menschen mit Behinderung unter anderem dabei, sich auf den ersten Arbeitsmarkt vorzubereiten.

Ein Riesenschritt

„Aus den Werkstätten von Jugend am Werk in ein Unternehmen zu gehen ist ein Riesenschritt für die Kundinnen und Kunden“, sagt Martina Haßler, Leiterin von Arbeit und Beschäftigung Kapfenberg. „Neben arbeitsrelevanten Dingen üben wir auch ganz lebenspraktische Sachen, wie beispielsweise passende Kleiderwahl, zwischenmenschlichen Umgang oder Pünktlichkeit.“ Der Standort hat mit einigen Betrieben, wie auch mit der voestalpine Böhler Welding, erfolgreiche sowie langjährige Kooperationen. Das reicht von externen Arbeitsaufträgen über Schnupperpraktika bis hin zu richtigen Arbeitsplätzen im Rahmen der Arbeitsassistenz oder inArbeit. „Bei uns am Standort findet gerade ein Kulturwandel statt“, so Haßler weiter, „wir wollen raus! Das ist natürlich auch für die Bezugsbegleiterinnen und Fachtrainerinnen ein großer Schritt.“ Einige Arbeitsaufträge, die bisher die Werkstätten am Standort übernommen haben, können mittlerweile von eigens dazu gebildeten Arbeitsgruppen direkt in den Betrieben erledigt werden. „Wir richten uns dabei stets nach den Wünschen und Bedürfnissen unserer Kund*innen. Ziel ist, dass sie so selbstständig wie möglich leben und arbeiten.“

Eine Bereicherung

Menschen mit Behinderung sind mit ihren Fähigkeiten und Talenten eine Bereicherung für die Arbeitswelt. Unternehmen, die in diesem Bereich soziale Verantwortung übernehmen, tragen erheblich dazu bei, dass Inklusion gelingen kann. Echte Teilhabe am allgemeinen Arbeitsmarkt und am Gesellschaftsleben bleibt für Menschen mit Behinderung dadurch nicht länger ein unerfüllter Traum, sondern wird Realität. Mit inArbeit erhalten Betriebe nicht nur engagierte Mitarbeiter*innen, sondern auch umfassende Begleitung durch Jugend am Werk sowie einen Teilhabezuschlag zum Gehalt.

Fertigungsleiter Christoph Zündel bestätigt, wie wichtig eine professionelle Begleitung vor allem zu Beginn einer neuen Kooperation ist: „Wir haben schon seit Jahren eine gute Zusammenarbeit mit Jugend am Werk“, sagt er. Und was sagen seine Mitarbeiter*innen Manuela, Norik, Patrick und Sabine dazu? „Wir arbeiten bei voestalpine Böhler!“ Ein Satz, der ihr Selbstwertgefühl und ihre Eigenständigkeit steigen lässt, denn das Unternehmen ist in der Region weithin bekannt und geschätzt. Bei ihren Tätigkeiten müssten sie sich „gut konzentrieren und genau sein“, so Patrick. Er überprüft gerade die Vakuumierung der Stabelektroden, bevor diese zum Versand vorbereitet werden. Fachtrainer Klaus Rantschl unterhält sich mittels Gebärdensprache mit Norik über die nächsten Schritte. Zugleich stehen Manuela und Sabine mit fokussiertem Blick um einen Tisch, daneben eine Kiste voller silbergrauer Stäbe. „Sie dürfen keine rissigen Stellen haben oder gebrochen sein“, erklärt Sabine, während sie die Stäbe vorsichtig einzeln begutachtet. Schließlich übergibt sie ein einwandfreies Bündel an Manuela, die bereits Schachteln gefaltet und etikettiert hat. Ihre Handgriffe sind bestens aufeinander abgestimmt. Sie mögen ihre Arbeit – und wie alle anderen freuen sie sich schon auf ihren Urlaub – und auf ihr Gehalt am Monatsende.

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